Kernfragen und Anforderungen

Wir leben in einer Zeit der Individualisierung. Der Einzelne wird in einem so früher nicht gekannten Ausmaß für seine Handlungsweisen individuell verantwortlich. Er kann sich immer weniger auf tragfähige Traditionen stützen und muss sein Leben selbst gestalten. Das erfordert den Willen und die Fähigkeiten zur Selbstführung und stellt neue Anforderungen an die Zusammenarbeit von derartig „individualisierten“ Menschen. Beiden Seiten des Problems widmet sich die Dialogische Kultur. Ihre Kernfragen:

Kernfragen

Die Menschen | Wie kann die Würde des (einzelnen) Menschen hoch gehalten werden?
Wie wird der Einzelne von den anderen in seiner Entwicklung gefördert?

Die gegebene Situation | Wie kommt jeder Einzelne zu seinem Blick auf das Ganze?
Wie entsteht aus der Eigenständigkeit der Einzelnen das gemeinsame Ganze?

Zukunft | Wie werden möglichst viele Mitarbeiter kreativ und originell?
Wie fließt die Originalität der Einzelnen in die Zukunft der Zusammenarbeit ein?

Handeln | Wie werden möglichst viele Mitarbeiter initiativ?
Wie kommt aus der Verantwortlichkeit der Einzelnen gemeinsames Handeln zustande?

Vor dem Hintergrund der Kernfragen stehen bestimmte Anforderungen an Führung und Selbstführung:

Anforderungen
  • Dem einzelnen Menschen die Entwicklung im Gesamtgeschehen ermöglichen
  • Den gegebenen Verhältnissen in ihrer Komplexität gewachsen sein
  • Produktive Fähigkeiten anregen und realisieren
  • Die eigenständigen Tätigkeiten der Einzelnen zu einem Ganzen verbinden

In einer Dialogischen Kultur gilt es deshalb, die entsprechenden Prozesse im einzelnen Menschen ebenso wie im Sozialen anzuregen und auszugestalten:

Dialogische Prozesse

Begegnung im Hinblick auf die Menschen.
Interesse am individuellen Menschen statt Rollenverhalten oder Instrumentalisierung des Anderen.

Transparenz im Hinblick auf die gegebene Situation.
Eigenständige Urteilsfähigkeit des Einzelnen statt Machtwissen oder Meinungsdiktatur.

Beratung und Ideenbildung im Hinblick auf die Zukunft.
Kreativität und Originalität statt Tradition oder struktureller Vorgaben.

Entschlusskraft im Hinblick auf das tatsächliche Handeln.
Handeln aus Initiative statt Selbstverwirklichungsmentalität oder Beauftragung.

So lassen sich viele Merkmale der Dialogischen Kultur bzw. Dialogischen Führung beschreiben, z.B.:
Der einzelne Mitarbeiter wird als eigenständige Persönlichkeit ernst genommen und unterstützt, unabhängig von seiner Rolle/Position im Unternehmen. Dazu gehört vor allem, die eigene Arbeit mit Blick auf das Ganze gestalten zu können und nicht eine im Voraus definierte „Arbeitsstelle“ vorzufinden, die es auszufüllen gilt. Geschätzt werden Originalität und Kreativität des Einzelnen, nicht nur Fach- und Sozialkompetenz. Das Handeln der Mitwirkenden geschieht aus eigener Initiative und in eigener Verantwortung und speist sich nicht aus einem angepassten Vollzug vorgegebener Maßnahmen.