Dialog-Sokrates-Logos

"Ich weiß, dass ich nicht weiß"

Sokrates

Warum wird die hier vorgestellte Zusammenarbeit als „dialogisch“ bezeichnet? Dazu ein Blick auf die geniale Erfindung von Sokrates: der Dialog, und Heraklits Begriff des Logos.

Dialog

Die Denk- und Sprechform des Dialogs ist von Sokrates (gestorben 399 v. Chr. in Athen) erfunden und von dessen Schüler Platon (~428-348/347 v. Chr) ausgestaltet worden. Für Sokrates ging es bei „Dialog“ um eine gemeinsame Klärung einer für beide Gesprächspartner wichtigen Frage – nicht um Belehrung und auch nicht um Meinung gegen Meinung (Diskussion). Sondern es ging um Selbsterkenntnis. Der Dialog hatte für Sokrates nicht das Ziel, andere zu überzeugen, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Sokrates hat von Anfang an darauf verzichtet, einen bestimmten Inhalt zur Geltung zu bringen. Er betonte immer wieder: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Es ging ihm vielmehr darum, seine Mitmenschen zur kritischen Selbsterkenntnis anzuregen als Grundlage für die je eigene Lebensführung. Er sah seine Lebensaufgabe in einer „Sorge für die Seele“, im Gegensatz zur Jagd nach Reichtum oder Erfolg.

Logos

Die „Seele“ als Inneres des Menschen zu betrachten, war damals eine neue Entdeckung. Wir erfahren von ihr zum ersten Mal bei Heraklit, eine Generation vor Sokrates. Für Heraklit lebte in der Seele jedes Menschen der „Logos“, das Eine, Gemeinsame aller Einzeldinge, das zugleich durch alle Dinge hindurchwirkt. Aber Logos ist nicht nur eine im Kosmos wirkende Kraft, sondern wohnt, so Heraklit, auch der „Seele“ jedes einzelnen Menschen inne. Dadurch ist es dem Menschen möglich, die Dinge in der Welt als Werke des Logos zu erkennen und sich zu ihnen in Beziehung zu setzen. Das gelingt jedoch nur, soweit er sich des Logos in seiner eigenen Seele bewusst ist.

Sokrates greift dieses damals neuartige Seelenverständnis auf und erklärte die „Sorge um die Seele“ für das Wichtigste in der Lebensführung des Menschen. Im Dienst dieser „Sorge“ steht auch der von Sokrates initiierte „Dialog“.

Dieses Verständnis von „Dialog“ liegt der „Dialogischen“ Kultur zugrunde. Es ist nicht zu verwechseln mit dem sogenannten „Sokratischen Dialog".