Selbstführung und Erkenntnis: Fragen an die Biografie mit 
Heinrich Barth

... Johanna Hueck und Paula Kühne

 

Angelika S. Dietz: Ihr werdet am kommenden Samstag unter dem Titel „Selbstführung und Erkenntnis“, Fragen an die Biographie mit Heinrich Barth stellen. Wie kamt ihr in diesem Kontext auf Heinrich Barth?

Johanna Hueck: Heinrich Barth beschäftigte sich als Existenzphilosoph des 20. Jahrhunderts zeitlebens mit der Bedeutung der Entscheidung. Für Barth war das Sein des Menschen wesentlich ein „Sein in der Entscheidung“. Darin finden wir eine Verbindung zum Thema „Selbstführung“, wie es auch im Zusammenhang mit Viktor Frankl beim letzten Studientag thematisiert wurde: Denn versteht man Selbstführung als die Fähigkeit, in der Auseinandersetzung mit sich und seinem Umfeld eine bewusste Handlung hervorzubringen, so muss auch die Entscheidung zu dieser Handlung bewusst zustande gekommen sein. Heinrich Barth beleuchtet auf erstaunlich praktische Weise den Gegenwartsmoment, in dem Denken und Handeln ineinanderfallen, und in dem die Beziehung von „Ich“ und „Welt“ sowie die Themen Verantwortung und Freiheit eine große Rolle spielen.

ASD: Gibt es über die Selbstführung hinaus gemeinsame Themenpunkte, in denen sich Barths Philosophie und das Dialogische, wie es im Hardenberg Institut verstanden wird, verbinden lassen?

Paula Kühne: Verstehen wir das Dialogische des Hardenberg Instituts als die Frage danach, wie in einem Arbeits- oder Lebenszusammenhang sinnvoll, gemeinsam und aus freien Entscheidungen heraus gehandelt werden kann, gibt es einige Parallelen zur Philosophie Heinrich Barths. Man findet natürlich nicht dieselben Begrifflichkeiten wieder, wie sie in der Dialogischen Kultur verwendet werden. Doch bezüglich der Grundannahmen über den Menschen und sein Gestaltungspotenzial in der Welt sowie der Fähigkeit, eine eigenständige Handlung zu entwerfen, die im Sinne eines größeren Ganzen ist, können wir mit Barth einige Aspekte vertiefen.

ASD: Kannst Du das näher erläutern?

PK: Ein Beispiel dafür ist Barths Umgang mit der Frage nach der Erkenntnis: Kann letztlich jeder nur ein subjektives Bild von einer Situation haben oder gibt es auch die Möglichkeit, zu einer Perspektive zu kommen, die zwar individuell ist, aber trotzdem eine umfassende Sicht ermöglicht und den Einzelnen dadurch mit den Anderen verbindet? In der Dialogischen Kultur gehen wir davon aus, dass dies möglich ist und dass sich durch das Bewusstsein, wie meine Meinungen, Vorstellungen und Haltungen zustande kommen, ein großer Gestaltungsspielraum für die Zusammenarbeit und das Zusammenleben eröffnet.

ASD: Was erwartet die Teilnehmer am Nachmittag, wenn es um die Fragen zur Biographie geht?

PK: Wir haben diesen Schwerpunkt gewählt, weil er bei Barth eine zentrale Rolle spielt: Er spricht in seiner Philosophie die „Berufung“ des Menschen an, die nicht nur einen Arbeitskontext betrifft, sondern die Frage nach der Gestaltung des Lebenswegs. Seine Auffassung von der Zukunft beinhaltet zusammengefasst: Die Zukunft ist nicht gegeben und kommt auf uns zu, sondern entsteht in einem Prozess von Entscheidungen, die wir fortlaufend treffen und so diese Zukunft selbst mitgestalten. Die persönliche und die gesellschaftliche Situation - Barth sagt: die „Existenzlage“ des Einzelnen und der Gesellschaft  -  spielen dabei eine große Rolle. Wie man die Spannung denken kann zwischen freien, persönlichen Entscheidungen, die gleichwohl nicht beliebig sind, sondern mit denen wir Einfluss nehmen auf die Welt, dafür ist Barth der richtige Gesprächspartner.

 

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