Sinnhaftigkeit

Sinn ist kein „Gut“, das sich von außen geben lässt. Niemand kann dem anderen das Bemühen abnehmen, selbst Sinn zu erschließen. Es lassen sich aber Voraussetzungen beschreiben, die ein solches Bemühen unterstützen bzw. erschweren.

Sinnverlust | Sinnerschwernisse

Sinnerschwerend sind seit Taylor bis heute die Verhältnisse in der arbeitsteiligen Gesellschaft. Mit der grundsätzlichen Trennung von Denken und Handeln in verschiedene Arbeitsbereiche wird der Wirklichkeitszusammenhang künstlich auseinandergerissen. An den Planungen und Entscheidungen am grünen Tisch wirken nicht diejenigen mit, die davon betroffen und dem Sachverhalt am nächsten sind. Denn sie haben zu handeln und nicht zu denken! Mitarbeiter werden zu Vollziehern vorgegebener Programme und Abläufe, oft ohne das Woher, Wozu und Wohin zu kennen und daran mitzuwirken. Auf der anderen Seite lasten zu viele komplexe Entscheidungen auf den Führungsverantwortlichen, ohne dass sie direkten Bezug zur Arbeit vor Ort haben. Überforderung, Erschöpfung und Sinnleere sind oft die Folgen, die man gewöhnlich durch Incentives abzumildern versucht. Dem Sinnverlust in der eigenen Tätigkeit kann aber nicht durch kollektive Begleitmaßnahmen begegnet werden, wie etwa durch die Formulierung von vermeintlich sinnstiftenden Leitbildern in einer Organisation. Aus den Forschungen zur Salutogenese ist bekannt, dass dem individuellen Kohärenzgefühl bis in die Gesunderhaltung eine maßgebliche Bedeutung zukommt.  

Anliegen der Dialogischen Kultur ist es, der Trennung von Denken und Handeln entgegenzuwirken und damit eine wesentliche Voraussetzung zu schaffen, um Sinnhaftigkeit erfahren zu können.

Dazu gehört, dass allen Beteiligten unabhängig von ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich ein Mitdenken zugetraut wird und sie darin unterstützt werden, die Zusammenhänge zu durchschauen, in denen sie stehen. Zugleich werden sie als Vordenker ernst genommen. Ideenfähigkeit ist nicht Spezialabteilungen vorbehalten, sondern ist überall gefragt, wo Menschen zusammenarbeiten. Können Zukunftsfragen so bewegt werden, dass sich Menschen gegenseitig inspirieren und Ideen reifen können, dass Originalität zum Tragen kommt? Sinnvolles Handeln setzt zudem ein bewusstes Entscheiden voraus.

Sinnvolles Handeln

Der bewusste Umgang mit Entscheidungen ist eine wichtige Voraussetzung für Sinnhaftigkeit. Denn Frustration und Sinnverlust sind im Arbeitsalltag besonders hoch, wenn es zu Entschlüssen kommt, die für die Beteiligten und Betroffenen nicht nachvollziehbar sind und hinter denen kaum jemand stehen kann. In der Dialogischen Kultur wird Wert darauf gelegt, sach- und menschengemäße Entscheidungen zu treffen, bei denen zuvor unterschiedliche Perspektiven gehört und ernsthaft erwogen werden. Das hängt weniger davon ab, welches Entscheidungsverfahren im Einzelnen angewandt wird, als vielmehr, wie sehr Entscheiden mit Verantwortung verbunden ist – Verantwortung sowohl im Umgang mit verschiedenen Entscheidungsoptionen als auch später im Einstehen für die Folgen aus der Entscheidung.

Es geht in der Dialogischen Kultur darum, dass jeder als Denkender und Handelnder mit seiner ganzen Person dabei sein kann die beste Voraussetzung, dass sich Sinnhaftigkeit zeigt.